Schreiben und Über/Leben

Nicht nur mein Timing stimmte am Samstag. Als ich zum Bahnhof aufbrach, fand ich die "ExistenziElle" in meinem Briefkasten – das Belegexemplar zum Interview wurde so zur passenden Reisebegleiterin.


Und nun begleiten mich Gedanken zum Thema Schreiben und Überleben bzw. davon leben … damit werd ich nämlich in dem Heft zumindest ansatzweise zitiert.
Für mich gehört das zusammen. Ich lebe zwar nicht gut vom Schreiben, aber ich lebe von nichts anderem – jedenfalls, wenn man die Übersetzung und die Lektorate, die Lesungen und die Vorträge einfach mal als "Nebenprodukte" des Schreibens betrachtet und die Bilder außen vor lässt. Aber vor allem überlebe ich mit dem Schreiben und durch es. Das klingt jetzt pathetisch und ist es wohl auch. Und doch ist da etwas Wahres dran: Schreiben, das Erfinden und Erzählen von Geschichten, war für mich immer schon zugleich ein Überdruckventil, eine Ausdrucksform und meine Art, die Welt zu begreifen.
Anders gesagt, es hat schon seinen Grund, warum Wunderkinder in der Kunst meist musikalische Genies, sehr selten Bildkünstler, jedoch so gut wie nie Mini-Autoren sind. Zum Schreiben braucht es gelebte Erfahrungen, Begabung im Umgang mit Sprache, mit der Dramaturgie von Erzählungen reicht allein nicht aus. Schließlich erzählt man immer von etwas und zugleich auch ein Stück über sich.
Autoren schreiben nicht wieder und wieder verkleidete Autobiographien. Wir schöpfen aus unseren Erfahrungen, aber wir verwandeln das Leben in Fiktion. Kann sein, es stimmt – je mehr Erfahrungen man hat, und je deutlicher die "aus der Norm fallen" (eben abseits dessen sind, was man mal eben mit drei Sätzen Alltagssprache schildern kann), um so mehr ‚muss‘ man schreiben. Oder um so mehr drängt es. Kommt mir manchmal so vor. Aber: Es geht nicht um das, was war (oder ist), sondern um etwas, das möglich wäre. Nein, nicht alles, was Autoren schreiben, ist immer autobiographisch. Ich hab kein Kind wie Ophelia und schon gar kein Treuhandkonto wie Cäcilia-Josephine Greschke.
Um professionell zu schreiben und zu veröffentlichen reichen nicht mal Begabung und die außergewöhnlichsten Erfahrungen allein. Nee, das Ganze braucht dann noch jede Menge Arbeit, auch Disziplin, eben den Schweiß … und so schließt sich der Kreis. Das Schreiben ist Arbeit und auch damit – neben aller Kunst, allem Thrill, aller Fantasie – schlicht und ergreifend ein Stück Leben.
Zumindest, wenn man Autor ist. 😉

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