Gedanken, beim Schreiben verfasst

Heute morgen war einer von den ganz seltsamen. So einer, den man am liebsten gleich zurückgehen lassen würde, weil alles grau und grauslig ist. Wo ich in tiefsten Zweifeln versinkend beschließe, nie wieder zu schreiben. Aber wirklich nie wieder … tja, und dann waren da Britt Reißmanns Kommentare. 🙂

Schon verrückt, wie das Universum manchmal tickt. Dein Timing war jedenfalls höchst passend, liebe Britt. Es tut verdammt gut zu lesen, dass das Stimmengewirr nicht einfach verebbt, verfliegt, sang- und klanglos im gewaltigen Büchermeer untergeht.
Klar, als Autor hofft man immer auf einen möglichst grandiosen, schnellen Start fürs eigene Buch. Auf möglichst viele, möglichst gute Kritiken, Rezensionen, breite Wahrnehmung. Und zugleich weiß man – gerade als Krimiautor – dass diese Art Wahrnehmung in vielem reine Glückssache ist. Ich kann als Autor nur versuchen, mein Bestes zu geben- erst beim Schreiben, dann bei Lesungen und Präsentationen. Aber ich kann weder Rezensionen erzwingen noch selbst große Werbekampagnen starten … das ist ja auch nicht mein Job.
Dennoch … beim Stimmengewirr war die anfängliche Stille beunruhigend. Ich hab mich manchmal sogar gefragt, ob’s nicht zu erwarten war. Schließlich gibt es Multiple Persönlichkeiten, weil kleine Kinder wiederholt mit Gewalt konfrontiert werden – und das ist in der Form nur möglich, weil niemand genau hinsieht, wirklich hinhört. Wer weiß, ob jemand „so etwas“ lesen wollte …
Zugleich – je mehr ich hier im Blogg oder an anderer Stelle von Lesern höre, wenn ich mir die Reaktionen in Lesungen anschaue, dann denke ich mir, das Buch wird sein Publikum finden. Die Zeit war nicht nur reif, es zu schreiben (für mich war es ‚dran‘, ich hätte zuletzt auch nicht einfach etwas anderes entwickeln können, aus welchen Gründen auch immer). Auch für den Weg zu den Lesern wird die Zeit kommen.
Langsam und stetig, so entwickelt es sich bis jetzt. Und ich vermute, selbst wenn es eines Tages doch noch Rezensionen in größeren Zeitungen oder ähnliche „Rezeptionsverstärker“ gäbe, es wird dauern.
Das wiederum ist eine ganz schön harte Nuss für eine ungeduldige Zweiflerin wie mich. Und deshalb nochmals ganz dicken Dank an Britt und alle andern, die mir ihre Reaktionen aufs Stimmengewirr mitgeteilt haben. *verbeug*

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Eine Antwort zu Gedanken, beim Schreiben verfasst

  1. Britt Reißmann schreibt:

    Das nannte Jung glaube ich Synchronizität der Ereignisse ;-). Ich glaube nicht wirklich an Zufälle und freue mich, dass ich der Katalysator sein durfte.

    Diese Tage, wie du sie beschreibst, kenne ich selber zur Genüge. Und ich komme immer mehr zu der Einsicht, dass sich wohl so ziemlich jeder, der schreibt, hin und wieder damit herumschlagen muss. Spätestens als ich bei Elizabeth George („Wort für Wort“) las, wie unsicher sie als Bestsellerautorin heute noch ist, wie oft sie zweifelt, ob das, was sie tut, wirklich gut ist, denke ich, dass solche Tage einfach zum kreativen Prozess gehören.

    Wenn ich ein neues Buch anfange, bin ich zunächst mal felsenfest überzeugt, dass ich es nie im Leben schaffen werde, es so zu schreiben, wie ich es mir vorstelle. Ich quäle mich von Seite zu Seite, und erst wenn ich ungefähr zwei Drittel im Kasten habe, beginne ich allmählich zu glauben, dass ich es schaffe und dass es gut wird. Zumindest so gut, dass ich dahinter stehen kann. Optimal wird es sowieso nie. 😉

    Diese verdammten Minderwertigkeitskomplexe haben aber sicher auch ihr Gutes. Sie zwingen uns, dranzubleiben, das Beste aus uns rauszuholen, es immer und immer wieder zu versuchen, uns selbst zu beweisen, dass wir es können. Und das Hochgefühl zu erleben, wenn man den Punkt hinter den letzten Satz setzt. Wenn nach Wochen des Zittern und Bangens das Lektorat sich meldet und sagt: ‚Gut gemacht, gefällt uns.’
    Vielleicht ist es ja sogar das Ende der persönlichen Entwicklung, wenn man wirklich mal so weit ist, dass man voll und ganz mit sich zufrieden ist und keine Selbstzweifel mehr hat?
    Bei alledem dürfen wir, finde ich, nicht vergessen, dass wir nicht ausschließlich für andere, sondern auch für uns schreiben. Ich hab mal irgendwo gelesen, man sollte nicht fürs Ego schreiben, aber tun das nicht alle irgendwo?
    Ich kann von mir behaupten, dass ich – mal abgesehen von ein paar skurillen Kurzkrimis, die einfach nur Spaß machen sollen – nur über Themen schreiben kann, die mich wirklich berühren. Anderenfalls hätte ich überhaupt keine Motivation, so viel Zeit, Mühe und Energie in ein Projekt zu stecken. Und ich muss meine Gedanken und Gefühle einbringen dürfen. Das heißt, meine Welt mit anderen teilen – auch wenn es nicht Hunderttausende oder Millionen sind, das ist erst mal völlig nebensächlich. Diejenigen, die meine Bücher kaufen, lernen auch ein Stück von mir kennen, und das finde ich schön. Vielleicht ist das krank, aber wer auf Gottes grüner Erde ist schon ganz gesund? 😉

    Klar ist es toll, einen Bestseller zu landen, von dem warmen finanziellen Regen mal ganz abgesehen. Aber da das ohnehin einem Lottogewinn gleich kommt, begnüge ich mich damit, zu versuchen, über Themen zu schreiben, die mir nahe gehen, bei Menschen Emotionen zu wecken, Lachen, Weinen, Nachdenken. Auch wenn ich nur von einigen, die meine Bücher lesen, Feedback bekomme, ist es das doch immer wieder wert. Man kann natürlich über Dinge schreiben, die gerade publikumswirksam sind, um mehr Bücher zu verkaufen. Wichtig ist aber meiner Meinung nach, dass wir loswerden, was uns am Herzen liegt, und damit die Leser erreichen. Mancher mag das Onanie nennen, aber das ist mir egal.

    Ich hab über meinem Schreibtisch zwei Zitate von James N. Frey hängen. Das erste lautet:

    „Schreiben bedeutet, seine Erfahrung mit anderen zu teilen. Es ist ein Ritual des Veränderns. So etwas wie ‚bloße Unterhaltung’ gibt es nicht. Was Sie schreiben, hat eine geistige und emotionale Wirkung auf den Leser, und wenn Sie Ihre Arbeit gut machen, wird diese Wirkung tiefgreifend sein.“

    Und nun das Zweite, das eigentlich mein Liebstes ist:

    „Worte sind Waffen. Wenn Ihnen etwas ganz stark am Herzen liegt, legen Sie Ihre Waffe an und feuern.“

    Um noch mal auf „Stimmengewirr“ zurückzukommen, ich finde, mit diesem Buch hast du deine Waffe angelegt und mitten ins Schwarze getroffen.
    Die Leute, die schon immer weggeschaut haben, wie du schreibst, werden natürlich weiterhin wegschauen, wogegen die Betroffenen, deren Angehörige, und natürlich die Offenen und Interessierten dein Buch lieben werden. Ich zum Beispiel habe mich nie zuvor mit diesem Thema beschäftigt. Frag mich nicht warum, vielleicht war ich noch nicht so weit. Ich habe mich auf dieses Buch gestürzt, weil ich deine Kurzkrimis mag und von „Der Tod ist ein langer, trüber Fluss“ auch schon sehr bewegt und beeindruckt war. Inzwischen hab ich im Web schon Input zu diesem Thema gesucht und mich durch einschlägige Foren gelesen.

    Tja, du hast mich am Haken. Und wirst mich todsicher weiterhin zu deiner Leserschaft zählen können. Und wenn du mal wieder so einen öden, grauen Tag hast, an dem du alles hinschmeißen und nie wieder etwas schreiben willst – dann denke doch einfach drüber nach, ob es vielleicht nicht doch besser ist, einige Wenige mitten ins Herz zu treffen als eine breite Masse nur durch Streifschüsse anzukratzen?
    Vielleicht werden deine Bücher nicht vom typischen Bestseller-Publikum gelesen werden. Aber diejenigen, die sie lesen, bei denen wird es lange nachklingen. Bücher wie dieses können viel bewirken, Augen öffnen, Interesse wecken. Bei mir hast du es jedenfalls geschafft.

    O je, das war lang. Aber jetzt werde ich meine Knarre durchladen und an mein eigenes Manuskript gehen, vor dem ich mich schon den ganzen Tag drücke. ;-))

    Liebe Grüße von Britt

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