Zwischen allen Stühlen

Ich bin beeindruckt, wie effizient manche Menschen arbeiten: Nicht mal 24 Minuten, um vier Kurz- bzw. Kürzestgeschichten zu öffnen, zu lesen und mir die Entscheidung "sorry das entspricht nicht unserem Stil" zu mailen. Rekordverdächtig, oder?

Mich kotzt das alles nur noch an. Für die Massen – ob sie nun Zeitschriften lesen oder Krimis goutieren, vorm Fernseher hocken oder sonstwas treiben – bin ich zu "komplex". Für TV-Soaps ist meine Sprache zu schwer, und niemand konnte mir sagen, meint das die Nebensätze oder doch die dreisilbigen Wörter. Meine Erzählweise und meine Themen brauchen mehr Intelligenz, als die meisten Verleger ihren Lesern zutrauen. Immerhin, eine Freundin und Kollegin tröstete mich, wir seien wohl beide "zu literarisch für den Mainstream".
Sie hat ja recht. Das könnte man, genug Wut im Bauch oder Arroganz zwischen den Ohren, als Kompliment betrachten und von dort aus auf den Rest der Welt runterschauen. Allein … ich glaub nicht, dass "das Publikum" dumm oder hirnamputiert, geschmacklos und zu keinem klaren Gedanken fähig ist (glaubt meine Kollegin auch nicht, nebenbei bemerkt), und ich schau nicht gern auf andere Menschen runter.
Kunst wie Literatur zielt (auch) aufs Teilen, Mitteilen, Teilhaben(lassen). Das setzt ein Gegenüber – und kein Untendrunter – voraus. Tja, aber für das ganz noble, intellektuelle, aufs große "E" geeichte Publikum bin ich … zu verständlich. Ich erzähle Geschichten, die man – drei funktionstüchtige Hirnzellen und ein gewisses Maß an Offenheit vorausgesetzt – verstehen kann. Und dann lass ich auch noch zu, dass jemand "Kriminal-" oder gleich "Krimi" aufs Cover schreibt – das geht ja gar nicht.
Geht doch. Mein erster Fernsehkrimi, der Polizeiruf 110 "In Erinnerung an …", hatte gute Kritiken u.a. in der Süddeutschen und wird demnächst zum elften Mal wiederholt. Der Tod ist ein langer, trüber Fluss war einen Litraturförderpreis & die Nominierung zum Glauser wert – Krimi ist also doch Literatur, könnt man ganz salopp sagen.
Dennoch – ich lande immer wieder zwischen den verdammten Stühlen und so auf meinem Allerwertesten. Manchmal möcht ich dann gar nicht mehr aufstehen. Hat keinen Sinn, bringt mich nicht weiter, ändert ja doch nichts. Nur … wenn Sitzenbleiben oder Aufrappeln weder meinen Kontostand noch meinen Bekanntheitsgrad erhöhen, wenn deprimiert bis depressiv am Boden zu hocken meine Selbstzweifel wie meine Schaffenslust genauso wenig verscheuchen kann wie wutentbrannt (oder voller Tatendrang) aufzuspringen … naja, dann zieh ich mich am besten mal wieder selbst aus dem (Abagen)Sumpf. Denn ich fürchte, wenn ich auf ’nen Prinzen/Verleger/Drachen/Produzenten/Mephisto/sonstwen warte, der mich retten kommt, na, da kann ich lange warten.
Ich geh dann mal ins Bett. Und schau mir morgen den neuen Tag an. Gute Nacht – bzw. guten Morgen!

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3 Antworten zu Zwischen allen Stühlen

  1. Monica schreibt:

    hmmmmm… klingt für mich ähnlich wie in der Musikbranche. „Wenns kein Kommerz ist, wills keiner hören“… stimmt aber nicht. Ich mag auch Musik, die sich nicht in die „Kommerz“-Schublade zwängen lässt. Und viele andere auch, denn sonst würden viele Interpreten ihre Platten nicht verkaufen können. Und so gibt es 1000%ig auch viele, die deine Bücher / Geschichten lesen wollen.
    Und wenns dir hilft, ich glaube fest daran, dass es wieder bergauf geht ;-). Wenns nicht hilft, glaub ichs trotzdem.
    lG

  2. Britt schreibt:

    Den Vergleich mit der Musikbranche find ich gut. Ich kenne zufällig beide, die Literatur- wie auch die Musikbranche, und ich glaube, es ist überall dasselbe. Als ich noch als Bandsängerin durch die Lande zog, verlangten die Leute mitunter lautstark nach Musik a la Musikantenstadel; für Stücke, an denen wir wochenlang geübt hatten und an unsere Grenzen kamen, gabs kaum Beachtung. Ich hab damit aufgehört, weil mir irgendwann klar wurde, dass ich mich prostituiere.
    Aber ich gebe Monica auf der ganzen Linie Recht, dass du diejenigen nicht vergessen darfst, die deine Bücher lesen und sie lieben. Vielleicht kann man nicht die ganz große Kohle damit machen, das liegt in der Ironie der Sache.
    Aber ich habs dir schon mal bei Stimmengewirr gesagt, und sag’s dir hier noch mal:

    Ich glaube, es ist besser, einige Wenige mitten ins Herz zu treffen als eine breite Masse nur durch Streifschüsse anzukratzen. 😉

    Liebe Grüße von Britt

  3. mischa schreibt:

    Ich als Tell oder was?! 😉 Im Ernst – herzlichen Dank für den Zuspruch,Ihr zwei. Das hat gut getan. *verbeug*
    mischa

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