Alles ganz harmonisch

Ein Traum, hinter dem jede Menge Arbeit steckte, bevor der traumhafte Erfolg kam, das waren die Comedian Harmonists. Ähnliches dürfte für die Darsteller in der Essener Inszenierung des gleichnamigen Stücks gelten.

Böse Zungen behaupten, Schauspieler seien Menschen, die nichts wirklich können müssten, weil sie alles spielen könnten. Bei musikalischen Produktionen könnte das arg in die Hose gehen. Singen muss man schon können, wenn man einen der fünf Comedian Harmonists spielen will, so tun als ob, reicht da nicht aus. Dass sie singen können, haben Nicola Mastroberardino (Roman/3. Tenor), Dominic Oley (Harry/Bariton), Friedemann Thiele (Erich/2. Tenor) bereits in verschiedenen Produktionen des Grillotheaters bewiesen. Und zusammen mit Mark Weigel (Ari/1. Tenor) und Andreas Maier (Robert/Bass) singen sie sich gekonnt durchs halbe Repertoire der ersten Boy Group.
Das klingt gut und ist hübsch anzuschauen. Stilecht die gedoppelte Guckkastenbühne mit viel rotem Samt und schwarzem Flügel, stilecht auch die 30er-Jahre-Kostüme. Zugegeben, Hajo Wiesemann (Erwin/Piano) ist ein besserer Pianist und musikalischer Leiter als Schauspieler. Und Thorsten Krohn, der für den erkrankten Sierk Radzei die Rolle(n) des Spielleiters übernahm, erinnert manchmal etwas zu sehr an den Conferencier aus der berühmten "Cabaret"-Verfilmung.
Aber das Stück von Gottfried Greiffenhagen & Franz Wittenbrink zielt ja auch nicht tatsächlich auf eine im engeren Sinne dramatische Aufarbeitung des Aufstiegs und der Spaltung des berühmten Quintetts, das über dem nationalsozialistischen Auftrittsverbot für die drei jüdischen Mitglieder zerbrach. Das kommt zwar auf der Bühne auch vor, ist aber nicht das Wesentliche. Dreh- und Angelpunkt ist die ebenso intelligente wie unterhaltsame Musik, sind die Arrangements, die Stimmen, die Choreographien.
Insofern war’s nur konsequent, dem tosenden Applaus des Premierenpublikums mit verschiedenen Zugaben zu begegnen. Dramaturgisch, künstlerisch mag das einem Theaterpuristen wie mir  aufstoßen, verständlich ist es dennoch. Applaus nimmt man mit, wo man ihn findet. Und dieses Stück mit diesem Ensemble wird noch jede Menge davon bekommen, da bin ich mir sicher.

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