Kuscheln und Streiten

Das sind, neben dem Genuss von Kablejaukonfekt, wohl die Lieblingsbeschäftigung des Pinguin-Trios in Ulrich Hubs Theaterstück "An der Arche um Acht", das Katja Lillih Leinenweber auf die Bühne der Casa brachte. Mittenrein platzt diese hektische Taube mit der Nachricht, dass Gott die Sintflut und ihnen zwei Arche-Tickets schickt …

Dabei sind sie doch drei Freunde und sich keineswegs einig, ob es Gott überhaupt gibt! Also wird der dritte im Koffer eingeschmuggelt und auf der Arche munter weiter diskutiert über Gott und die Welt.
Das in ein Stück für Menschen ab sechs Jahren zu packen, ist schon in sich ein Kunsttück. Mindestens ein ebensolches ist es, all das so auf die Bühne zu bringen, dass einerseits die wesentlichen großen Fragen – gibt es Gott und wenn ja, wie ist er/sie/es? Haben die Dinge einen Sinn, werden sie gelenkt, oder passiert alles einfach irgendwie? – "kindgerecht" gestellt werden können, ohne andererseits Antworten zu liefern, die die öfter mal verengten Horizonte sogenannter Erwachsener so sehr sprengen, dass die am Ende verstört weglaufen und ihre Kinder allein zwischen Pinguinen und Eisschollen zurücklassen.
Lillih Leinenweber hat die Gratwanderung zwischen Komik und Gottsuche, Kinderfragen und Erwachsenenvostellungen (ob nun von Religion, Pädagogik oder Kindertheater) wunderbar gemeistert. Schon akrobatisch mutet die watschelige Eleganz der drei Pinugine an – und dabei sind ihre Darstellerinnen Ines Lutz, Franziska Schlaghecke und Mona Kloos genau wie ihre "Taubenkollegin" Katja Stockhausen noch Folkwangstudentinnen. Ob man Theater von innen kennen muss, um in der Taube auch eine gestresste Regieassistentin zu erblicken? Alles bleibt an ihr hängen, immer ist sie an allem schuld, sie kommt nicht mal zum schlafen und auf ein Wort des Dankes kann sie lange warten … ich denke doch, wer am Theater assistiert hat, der kann sich darin wiedererkennen.
Allerdings braucht man schon eine Portion Glück dazu, denn ob mit oder ohne "Alibikind", an Karten kommt man nicht allzu leicht – viele Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Aber fragen kostet ja bekanntlich nichts – und wenn Sie doch Glück haben (oder sich gleich eine ganze eigene Vorstellung leisten können), na dann viel Spaß mit Kuscheln und Streiten im ewigen Eis (das, wie auch die einfach geniale Arche und die punktgenauen Kostüme von Karoline Zorbas stammt) ….

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2 Antworten zu Kuscheln und Streiten

  1. Lillih schreibt:

    danke sehr für’s lob 🙂

  2. mischa schreibt:

    danke sehr fürs stück bzw. die inszeinerung 🙂

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