Traum und Umnachtung

Altern als Romanthema, das hab ich so noch nie gelesen. Bruchstückhaft, wie herumflatternde Erinnerungsfetzen, wie Inseln im Vergessen, zusammenhanglos und doch Teil eines Ganzen – so schildert Unai Elorriaga Alter und Tod in seinem Roman Der Traum vom Himmel über Nepal.

Allerdings könnte man fragen, ob das in der Tat noch ein Roman ist – all die Einzelschilderungen, die Innenansichten, die Spiegel-Blicke haarscharf einander vorbei, die darin präsentiert werden. Manches kommt einem willkürlich vor – Abfolge und Entwicklung, Chronologie und Logik, all das, was üblicherweise Romane ausmacht, Erzählungen, zerfällt hier wie das Gedächtnis eines altersverwirrten oder auch zunehmend dementen Menschen.
Insofern passt die Form zum Inhalt, das schon, doch passt es da, die Form Roman zu nennen? Nun mag das nicht so wichtig sein; ich selbst sag ja immer wieder, ich schreib alles mögliche, aber es scheint einfacher, Dinge zu veröffentlichen, auf die man "Kriminalroman" oder "Kurzkrimi" schreiben kann. Man könnte also sagen, wen interessiert die korrekte Bezeichnung, Namen sind Schall und Rauch. Bloß – merkwürdigerweise werden diese nicht vergessen. Die greisenhaften Geschwister Lucas und Maria mögen nicht wissen, wer welche Tabletten muss oder wann der Arzt das letzte Mal da war, die Namen ihrer Lieben kennen sie allesamt. Sowohl die der Lebenden wie der Toten …
Aber das ist auch so eine Sache: Wer tot ist und wer lebendig, was erinnert oder grad erfunden wird, ob jemand vergisst oder träumt oder vielleicht auch nur Fernsehen schaut oder die Gedanken schweifen lässt, das ist nicht leicht nachzuvollziehen. Traum und Umnachtung verschwimmen und am Ende steht der Tod.
So könnte man es sehen. Wenn man wollte. Und es nicht wieder vergisst … 😉

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3 Antworten zu Traum und Umnachtung

  1. N.J. schreibt:

    Oh, darf ich mir das mal ausleihen? Passt gut zu der abstrakt wissenschaftlichen Auseinandersetzung zum Thema Alter, die ich gerade zu bewältigen versuche ;o)

  2. mischa schreibt:

    klar darfst du das ausleihen – sowohl das buch als auch mein „geschreibsel“ hier. also – was möchtest du ausleihen? mischa
    (übrigens muss ich z.zt. wg. spam-kommentaren en masse alle kommentare per hand freischalten …)

  3. N.J. schreibt:

    Ah, achso. Ich war schon verwundert, warum mein Kommentar nicht erschien, als ich auf „Eintragen“ geklickt habe ;o). Und zu dem Ausleihen: *räusper*…ich würde mir gerne das Buch ausleihen. Ja, war so interessiert, dass ich mich sprachlich wohl verwurschtelt habe *grins*.

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