Papierkram oder Nomen est Omen

Elizabeth und ihr Garten von Elizabeth von Arnim – les ich so etwas auf einem Buchcover, dann weckt das gewisse Assoziationen, dann erwarte ich unspektakuläre, womöglich leicht nostalgische, aber genaue Beobachtungen einer ironiebegabten Frau Anfang des 20. Jahrhunderts. Was aber sollen mir Titel wie Sebastian Fitzeks Der Seelenbrecher und Alcia Gimènez-Bartletts Tote aus Papier sagen? Man sollte aufpassen, was auf dem Cover landet, denn ein Titel, und sei es nur der der deutschen Übersetzung, könnte sich als böses Omen erweisen …

Was an Tote aus Papier ein Geheimtipp sein soll, wie es in einer Rezension heißt, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Der Fall ist konstruiert, die Figuren aus der (spanischen) Medienwelt und ihrer Mitspieler, der B-High-Society interessieren nicht die Bohne und warum ich das Geschwafel der Ermittlerin spannend, amüsant oder gar geistreich finden sollte, weiß ich auch nicht. Da raschelt nicht nur auf jeder der zahllosen Dialogseiten nichts als Papier … und entsprechend landete dieses Buch im Altpapier.
Der Seelenbrecher von Sebastian Fitzek kommt dagegen erstmal als echter Reißer – als pageturner im Wortsinn – daher: Routiniert führt der Autor die Spannungsbögen, setzt er Persepktiven- und/oder Kapitelwechsel gegeneinander und spielt er mit der Dramaturgie. Ein Serientäter, der seine Opfer ohne Anwendung physischer in eine Art katatonischen Zustand versetzt, aus dem sie letztlich nur der Tod befreit, zusammen mit einer handvoll Menschen in einem von der Außenwelt abgeschnittenen Privatsanatorium, das ist ein geradezu klassisches Setting, und Fitzek kann damit auch ohne Zweifel umgehen. Allein … auch hier bleiben die Figuren Papier, bleiben allesamt seelenlos, und das ist schlimmer als der hanebüchern-thrillerübliche Umgang mit Amnesien (die dramaturgisch passend bzw. gezielt passgenau zu Erinnerungsinseln werden … als ob das so simpel wäre …) und der Pseudo-Cliffhanger am Ende  — sorry, so einfach funktioniert Horror nicht. Wenn mich die Figuren nicht mitnehmen, bleibt alle dargestellte Gewalt und Grausamkeit nichts als ein konstruiertes Gedankenspiel beschmiert mit Theaterblut. Und wenn die verschobenen, ver-rückten, entsetzlichen Wahrnehmungen sich nicht auf meiner Seite des Buches in ebensolche Abgründe oder wenigstens Zweifel an der Realität verwandeln, bleibt der Horror Etüde zwischen zwei Buchdeckeln. Schade. Talent ist sicher da.

Dann doch lieber Elizabeth und ihr Garten, selbst wenn das altmodisch ist und nicht mal spannend sein will: Wie schön, wie entspannend, wenn eine Geschichte einfach nur sie selbst ist und nicht vorgeben muss, etwas anderes zu sein …

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