Pubertät mit Souffleuse

Eigentlich hat die Uraufführung von „Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand“ nur ein Manko: Sie endet. Ich hätte Matthias Eberle, Lukas Grasser und Raiko Küster noch locker die eine oder andere Stunde zuschauen und zuhören mögen, wie sie sich durch Jakob Heins Stück spielen, singen und, ähm, sagen wir: tanzen. Ostpubertät leicht, kantig und überraschend schlüssig inszeniert von David Bösch, der gleich noch fürs Bühnenbild (prima Punkgrunge mit Comiceinschlag, sozusagen) mitverantwortlich zeichnet. Dafür lohnt sich’s auch, sich um Restplätze anzustellen!

Es gäb so viel zu loben und hervorzuheben:
Endlich ein Stück, in dem die Wende einfach ’ne Wende ist und der Osten ganz selbstverständlich der Lebensraum. Kein Gedöhns, das reicht schon, davon wünsch ich persönlich mir gleich mehr.
Da ist so viel Musik drin und viel Punk, was in meinen Ohren selten schadet. Vor allem nicht, wenn es der Regie gelingt, die Übergänge zwischen Sprechen, Singen, Spielen so fließend zu halten. Und erst recht nicht, wenn die Schauspieler so locker mit der Musik umgehen können, dass ich umgehend doch noch mal auf die Schauspielschule möchte, nur für den Fall, dass man das da lernen könnte …
Endlich darf mal die Souffleuse aus dem hintergründigen Dunkel ins Rampenlicht, darf zeigen, was sie (Uschi Robine) alles noch kann außer lesen, nämlich pfeifen, singen, mitreden, fotografieren, Kuchen servieren und und und – ich bin begeistert! Das erklärt dann auch gleich, was in meiner Pubertät am meisten fehlte: Die Souffleuse!
Wie es gelingt, mit drei Männern auf der Bühne und der Geschichte eines heranwachsenden Jungen am Ende dabei so einen starken Spiegel für die Mädchen aufzustellen, dass die auch einbezogen sind ins Geschehen, ist ein Kunststück für sich.
Und wer glaubt, das sei ein Jugendstück, könnte falscher nicht liegen. Das ist ein Stück für Menschen fast jeden Alters, sofern sie Humor und Hormone besitzen. Schließlich schrieb Shakespeare die Königsdramen auch nicht exklusiv für Blaublüter …
Ich schreib jetzt auch nix mehr, ich geh ins Bett, und bin gespannt, ob ich nun Böschs, Heins oder Versionen meiner eigenen Pubertät im Traum wiederfinden werde, mit oder ohne Souffleuse. In diesem Sinne: Gute Nacht. Und nicht vergessen, „Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand“ anzuschauen!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Theater abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s