Schmunzelhasser

Nein, ich glaube nicht, dass das Netzresidenz-Stipendium des virtuellen Literaturhauses Bremen und der Georg-K-Glaserpreis aus Gründen humoristischer Inkompatibilität an andere Adressen als die meine gingen. Aber wenn ich noch einmal schmunzeln zur Beschreibung der Mimik eines Massen- oder Serienmörders sowie zur Charakterisierung des Gesichtsaudrucks eines den einen oder anderen verfolgenden Polizisten lese, dann garantiere ich für gar nichts mehr. Mit wie wenig Sprachgefühl kommt man als Debütautor aus – und wo verdammt nochmal steckte der Lektor?!

Wohlgemerkt, wir reden hier nicht über ein Bändchen im Selbstverlag, sondern über einen Erstlingsthriller in einem durchaus namhaften Verlag. Und „geschmunzelt“ wird da ständig – meine Strichliste hab ich nach dem gefühlten 73., real 11. Mal verloren, und da war ich noch nicht mal halb durch das Buch.
Ich meine, jeder Autor hat hin und wieder Lieblingsworte, die dann inflationär an allen möglichen und unmöglichen Stellen eines Manuskripts auftauchen. Das hat nichts damit zu tun, wie gut oder schlecht der Autor ist, das scheint eher ein unbewusster Vorgang zu sein. Bei Rattes Gift monierte die beste Lektorin der Welt respektive des Universums – genau, dass ich immer wieder „respektive“ verwendet habe. Auf so etwas aufmerksam gemacht zu werden, ist im ersten Moment ein bisschen peinlich. Dass einem so etwas passiert und man selbst es nicht mal mitbekommt …!
Aber genau dafür (und für vieles andere mehr) gibt es ja Lektoren. Früher waren das festangestellte, hochbezahlte Spezialisten. Heute tendieren immer mehr Verlage jedweder Preisklasse dazu, diese Tätigkeit „zu outsourcen“, lassen es die Praktikantin nebenbei mitmachen oder verzichten gleich ganz darauf. Das nenn ich der Literatur und vor allen den Autoren einen Bärendienst erweisen.
Mag sein, die eine oder andere Peinlichkeit geht an einem vorüber, und man spart sich vielleicht sogar eine kleine überflüssige Auseinandersetzung (merkwürdigerweise hatte ich schon häufiger mit Lektoren zu tun, denen nicht klar war, dass Begriffspaare wie „Haus und Hof“, „Wald und Flur“, „Stadt und Land“ etc. grundsätzlich ohne Artikel auskommen …). Aufs Ganze gesehen ist das aber nicht weniger als eine Katastrophe für alle, die Bücher lieben.
Und ich bin durch solche Schlamperei nun glatt zur „Schmunzelhasserin“ geworden … und muss das im Blogg natürlich lektorlos und mithin ganz auf eigene Gefahr monieren!

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3 Antworten zu Schmunzelhasser

  1. Britt schreibt:

    Ha! Ich hatte erst kürzlich ein Buch in der Hand, da war es das Wort „grinsen“. Und hinter jedem zweiten Satz ein Ausrufezeichen! Das ging mir so auf den Keks, dass ich ernsthaft überlegt habe, die Fortsetzung noch zu lesen, obwohl mir das Buch sonst gut gefallen hat.
    Bei mir ist es übrigens das Wort „seufzen“. Hat mich auch erst meine Lektorin drauf aufmerksam machen müssen. Seitdem gehe ich, bevor ich abgebe, immer erst mit der Word-Suchfunktion das Manuskript auf „seufzen“ durch.

  2. mischa schreibt:

    Siehste? Kaum hat man’ne vernünftige Lektorin und setzt das eigene Hirn bzw. die Suchfunktion der Textverarbeitung ein, ist so ein „Lieblingswort“ passé. Allerdings stehen die Chancen gut, dass man dann eben jedes Mal ein neues hat – macht aber nix, solang der Lektor dran bleibt. 🙂
    Vielleicht sollten wir mal unter Kollegen sowas wie die „unliebsame Lieblingswortliste“ aufmachen?! 😉

  3. lillih schreibt:

    meines ist „obschon“ ….

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