Wieder lesen

Genreliteratur. Muss man die mögen, um sie zu lesen, oder ist das schlicht noch eine Schublade, die man tunlichst vergessen und bitte sehr erst recht nicht auf Buchdeckeln abdrucken sollte? Inwiefern also ist Bernhard Aichners Die Schöne und der Tod ein ‚klassischer Krimi‘, was macht Eoin Colfers Artemis Fowl zu einer Fantasy-Figur für Jugendliche (oder bleibt es doch bei einem Potter-Epigonen) und was sagt es mir, dass ich Ursula K. Le Guins The Earthsea Quartett erst auf Seite 40 wiederzuerkennen begann?

Ein Totengräber ermittelt, wo sich seine Stiefmama bei der Kripo ziert. Das wäre eine Kurzform, auf die man Aichners Krimi (so nennt sich das Buch immerhin laut Cover) bringen könnte. Und Kurzformen mag der Mann, der bei Dialogen Sprecherwechsel schlicht mit "-" einleitet. Das hat eine gewisse sparsame Eleganz (und passt entsprechend zu Aichners verknappter Prosa), funktioniert aber nur begrenzt – sobald es um mehr als zwei Sprecher geht, wird’s haarig. Auch das könnte man als Bild für den Roman lesen, den ich locker an einem Saunasamstag las: Die Konstruktion ist raffiniert, gekonnt, jedoch, genau, konstruiert ….
Artemis Fowl. The Eternity Code ist womöglich nicht der beste Einstieg in Eoin Colfers Reihe, die Fantasy-Elemente (Elfen, Gnome, Zwerge & den Rest der Anderwelt) mit einer jugendfreien Gaunergeschichte mischt. Doch obwohl ich das Buch durchaus gern gelesen habe, reizt es mich nicht, mir nun zunächst die vorangegangenen und dann womöglich noch die folgenden Bände zu besorgen. Ja, ich mag Gaunergeschichten (obwohl diese meist als Filme über Bank- und andere Räuber oder als Kurzgeschichten noch besser rüberkommen) und ich hab auch nichts gegen Genre- und Realitätsgrenzgänger. Auf eine Art liegt mir das alles sogar näher als Harry Potter, der mir gelegentlich zu gut und zu moralisch war und ist. Dennoch – 100% überzeugend fand ich’s nicht, wenngleich amüsant irisch, was Mr. Colfer über Young Mister Fowl zu berichten weiß.
Bleibt also die Frage, wieso ich vergaß, dass ich The Earthsea Quartett von Ursula K. LeGuin bereits vor rund  15 Jahren las. Okay, ich habe das Buch nie selbst besessen, sondern mir im Urlaub in New Mexico dort von einer Freundin geliehen. Und jetzt tauchte es wiederum als Leihgabe einer anderen Freundin, deren Lieblingsbuch es ist, bei mir auf. Vielleicht war es das. Vielleicht, so dachte ich, liegt es auch daran, dass ich maximal ein halber Fantasy-Leser bin. Nur dass das eine andere Frage aufwirft: Wieso lese ich dann The Earthsee Quartett eigentlich weiter, wo ich doch noch jede Menge ganz und gar ungelesene Bücher neben dem Bett liegen habe? Irgendwas muss also dran sein an diesem Buch. Oder wenigstens am ersten Band … 😉

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2 Antworten zu Wieder lesen

  1. monica schreibt:

    Ich mag Fantasy auch nicht sooo wirklich. Aber ich hatte eigentlich gehofft, du kannst mir sagen, warum ich dann dieses Buch so mag…

  2. mischa schreibt:

    Warten wir’s ab – vielleicht wird die Sache klarer, wenn ich das Buch zum zweiten Mal zuende gelesen haben werde? Noch besteht also eine Chance, dass ich über die „Lösung“ stolpere 😉

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