Superheldenpanik

Also, Sie müssen jetzt wirklich nicht panisch zur nächsten Vorverkaufsstelle rasen, um sich superheldenhaft Tickets für Angstmän, das panische Kammerspiel für alle ab 8, zu besorgen. Diese Spielzeit wird das eh nichts mehr. Aber Sie sollten dringend drauf drängen, dass eine Warteliste für die Wiederaufnahmen in der nächsten Spielzeit eingeführt wird: Das Stück ist nämlich superheldenkomisch und panikstark. Bloß leider hat die Essener Box nur 61 Plätze, von denen aus man Angstmän (Jannik Nowak) und Pöbleman (Stefan Diekmann) zusehen kann, wie sie die Wohnung von  Jennifer (Laura Kiehne) und ihrer mal wieder nächtlich arbeitenden Mutter verwüsten …

Hartmut El Kurdis Stück mag sich auf die Kindheitserfahrungen von heute beziehen, die von Superhelden und Comics einerseits, Alleinsein und nicht immer nur schöne Erfahrungen in der Schule andererseits geprägt sind. Und das geht in Karsten Dahlems Inszenierung mit Sicherheit auf, denn Kinder wie Erwachsene sind hingerissen und lachen sich zwischendrin schier weg (oftmals allerdings an unterschiedlichen Stellen, was man womöglich als pädagogisch besonders wertvoll für heldenhafte Intergenerationendialoge betrachten sollte). Aber eigentlich ist es absolut wurscht, wie alt man ist, wenn man das Glück hat, eine Karte für Angstmän ergattert zu haben.
Denn was das Mädchen Jennifer, die sich angesichts der Superheldeninvasion der anderen Art in ihrer Wohnung selbst- wie geschlechtsbewusst zu "Jenniferwoman, Superheldin, so viel Zeit muss sein" erklärt mit "Angstmän, dem größten Schissi des Universums" und seinem Verfolger "Pöbelmän, dem fiesesten Fiesling aller Galaxien" erlebt, muss man einfach gesehen haben. Drei wunderbare Schauspieler ziehen alle Register – und alle Schubladen, Türen und anderen beweglichen Elemente des ebenso schlichten wie überraschend vielfältigen und wandelbaren Bühnenbilds von Inge Timm (die zudem für die grandiosen Heldenkostüme verantwortlich zeichnet) noch dazu. Sie alle drei sind gnadenlos komisch, ungemein beweglich und haben immer noch Luft auch für nachdenkliche, leise Momente. Aber Stefan Diekmann als Pöbelmann gibt noch ein Quentchen mehr (schlichter: neben Arbeit, Fleiß & Herzblut jede Menge Schweiß ;-)), und spätestens, wenn er im Dickbauchkostüm John Travoltas Tanzkunst übertrumpft, schmelzen alle, nicht nur Jennifer, dahin … 🙂

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