Ein Monolog zu viel

Ich hoffe, die Mittheaterbesucherin, der ich mit diesem Titel die Kürzestkritik zur sonntäglichen Premiere im Essener Grillotheater verdanke, verzeiht es, dass ich damit nach dem Motto "Besser gut geklaut als schlecht selber gemacht" verfahre. Und genau damit, so fürchte ich, sind wir bereits bei einem der Probleme von Benefiz- Jeder rettet einen Afrikaner von Ingrid Lausund, das in Essen von Thomas Ladwig inszeniert wurde.

Es ist nicht so, dass man sich langweilen würde – ganz im Gegenteil. Es gibt eine Menge zu lachen bei dieser Benefiz-für-Wasauchimmer-Paraodie. Spendenmarathon hier, Hilfsaufruf dort, alle wollen alles richtig oder zumindest gar nichts falsch machen. Ob Profispendeneintreiberin, die auf Knopfdruck gerührt Tränchen vergießt (Bettina Schmidt als Christine) oder Eine-Welt-Für-Alle-Retterin mit großem Busen und kleinerem Verstand (Silvia Weiskopf als Eva), Klassenclown (Jannik Nowak als Leo) oder Missionar (Sven Seeburg als Eckhard) oder eben der Realist, der nicht so recht weiß, was er hier soll, aber trotzdem mitmacht, bis ihm der Kragen platzt und ein paar unangenehme Wahrheiten über den unterschiedlichen Wert, den Menschen andern Menschen beimessen, aus ihm hervorbrechen (Stefan Diekmann als Rainer) – sie alle mögen keine Indviduen sondern schlicht Typen sein, doch was sie da sagen, enthält bei aller Komik auch eine Menge ernsthafter Fragen.
In den Händen einer besseren Autorin hätte daraus Großes werden können. Was für eine traumhafte Vorstellung, hätte jemand mit dem pointierten Witz und dem scharfen Verstand einer Yasmina Reza diesen Stoff in den Händen gehabt – oder ein Dario Fo seinen bösen Witz versprüht.
Ingrid Lausund ist leider weder die eine noch der andere, und womöglich auch ein wenig zu deutsch. Statt dass sie die Komödie über das Entgleiten der Proben zu einer Spendengala für eine Schule in Afrika in den absurden Sphären belässt, die gerade als Zerrspiegel so klare Bilder dessen zurückwerfen, der in sie hineinblickt, muss sie am Ende noch einen draufsetzen.
Wenn alle sich ins Restaurant zum gemütlichen Beisammensein danach verziehen, kommt einer nochmal raus. Und erzählt davon, dass 51 Prozent reichen, dass man nicht 100% dahinter stehen muss, um Gutes zu tun. Da ist sicher was dran – aber am Ende einer solchen Komödie damit zu kommen, dass es um ein echtes Spendenprojekt geht und draußen die Sammelbüchsen stehen – nee, das muss ich nicht haben. Das ist dann in der Tat (mindestens) ein Monolog zu viel. Das degradiert das ganze Stück und all die Arbeit, die Regie, Ensemble, musikalische Leitung (Hajo Wiesemann) etc. hatten zur aufgeblasenen Riesenluftnummer, zur Verpackung für einen Spendenaufruf.
Tja. Da geb ich dann doch lieber dem Straßenzeitungsverkäufer draußen mein Kleingeld. Und hoffe auf die nächste Premiere und auch auf eine weitere Inszenierung von Thomas Ladwig, der dann ein hoffentlich besseres Stück bekommt …

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