Nichts wichtiges

Drauf ließe sich sowohl Janne Tellers Roman, der mit vollem Titel Nichts. Was im Leben wichtig ist heißt, als auch die gleichnamige Bühnenfassung von Andreas Erdmann prägnant zusammenfassen. Und die aufgeregte Inszenierung in der Casa, der kleinen Bühne des Essener Grillo-Theater, ändert daran auch nur eines: Während ich beim Buch nur querlesend das Ende erreichte, hatte ich in der Premiere am letzten Freitag immerhin nicht das Bedürfnis, mittendrin rauszurennen.

Wichtig finde ich die dumme Geschichte nach wie vor nicht. Zu bemerken, dass alles Leben endlich ist, heißt, das Offensichtliche festzustellen. Aus der Vergänglichkeit auf die Vergeblichkeit, ja Sinnlosigkeit allen Lebens zu schließen, mag naheliegend sein, ist aber nicht mal zwangsläufig so – man könnte die Endlichkeit im Gegenteil auch als Sinnstifterin betrachten (wie es etwa Pier Paolo Passolini tat). Aber warum eine ganze Schulklasse ausflippt, weil ein Mitschüler dies feststellt, und weshalb daraus dann ein gehyptes „Kult- und Skandalbuch“ geworden ist, verstehe ich auch nach der Stückfassung nicht.

Und warum anscheinend in dem Buch wie im Stück außer Pierre Anthon keiner drauf kommt, dass die Sinnlosigkeit – oder vielmehr die Abwesenheit eines allgemeinen, für alle gleichermaßen gültigen Sinn – des Lebens die Geburt der Freiheit des Einzelnen bedeutet, ist mir erst recht unklar. Denn das ist doch wirklich nicht schwer zu verstehen – und zwar unabhängig davon, ob man darauf mit 14, 40 oder 97 stößt.

Nun denn. Ich hab’s versucht und bleibe dabei: Wichtig ist daran (an diesem Buch, diesem Stück) leider rein gar nichts.

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