Katzenmusik

Die Bühne sieht auf den ersten Blick vielversprechend aus, gewährt sie doch einen ungewohnten Ein- äh Unterblick: nämlich unter Oma Hoffmanns Sofa. Dort leben die Mäusebrüder Franz, Willi und Anton  sowie die Spinne und irgendwie auch die drei Heupferdchen, die die Musik (Leitung: Hajo Wiesemann) zu Anton, das Mäusemusical live spielen. Alles könnte so schön sein – gäbe es keine Mäusefallen oder Katzen. Denken die Mäuse. Und erst recht, hätte das Weihnachtsmärchen weder Überlänge noch die schrille Tante Lizzy, nach deren Kölsch man am liebsten nie wieder irgendwas auch nur entfernt Rheinisches hören möchte … 

Aber der Reihe nach. Über 2 Stunden wird auf der Bühne gesungen, getanzt, geturnt (an allen Seilen zuhause, als wäre sie Tarzans Jane: Lisa Jopt als Spinne), gesponnen und wild gefiedelt, dabei zugleich die Mäuseinterpretation von Weihnachten („das ist wenn die Kekse reif sind und gegessen werden müssen“) geliefert. Das hat manche Länge – Songs braucht man meiner Ansicht nach nur, wenn sie die Handlung voranbringen, Spaß machen und/oder ihr Text was zu erzählen hat, unverständliche Kölschverschnitte, denen man weder gesungen noch gesprochen Sinn abringen kann, muss niemand haben, schon gar nicht, wenn die Stimme der Mäusetante derart in den Menschenohren gellt – aber auch manch wunderschönen Moment. Wenn Willi  (Markus Schneider) nach der Pause mit der Mausefalle tanzt, vom Käse unwiderstehlich angezogen, ja geradezu hypnotisiert und doch von der Gefahr, dem Risiko hellwach, das hätte kein Slapstickklassiker besser gekonnt, das würde gewiss Charlie Chaplin oder auch Harold Lloyd gefallen haben – das ist zum Niederknien. Und Franzens  (Johann David Talinski) sportive Heldentaten lassen den Schweiß allein beim Zusehen rinnen, ganz ähnlich wie Antons (Michael Del Coco) Rockstarversion von Katzengeigenmusik.

So habe ich das mit der Katzenmusik (nämlich als Mäusebannwaffe gegen Stubentiger, die von schrägen Klängen handzahm werden) noch nie gesehen. Und da passt dann selbst für mich Musicalverächterin das Genre – und all das Singen, Tanzen, Turnen auf der Schauspielbühne zusammen.

Dennoch, viele sicher gut gemeinte Ideen scheitern an der Ausführung. Das Spinnenkostüm ist ohne Benennung nie und nimmer als solches zu erkennen. Die Mäuse einfach in Latzhosen mit Mäuseschwänzen dran zu stecken ist einfallslos und wird keinen Deut besser, wenn Tante Lizzy (Kerstin Brix) als überzeichnete Mini-Maus-Variante daher kommt. Dass das Katzengesicht ein gemaltes etwas ist, geschenkt. Aber wenn man schon einen Katzenschwanz runterlässt, dann doch nicht einfach hängen lassen wie einen nassen Sack oder eine tote Kuh …!

So sitze ich nun hier und bin unentschlossen. Die drei Mäusejungs und die Spinne spielen mit vollem Einsatz und das ist trotz der Längen schön anzusehen. Der Rest jedoch – ich weiß es nicht. Das muss wohl jeder selbst für sich entscheiden.

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