Babylonisches Miteinander

Der Turmbau zu Babel scheiterte angeblich am unüberbrückbaren Durcheinander der Sprachen. Beim Workshop 14-18 Begegnungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart des Kulturraum gr.eu entstand mit 12 Teilnehmern aus 5 Regionen und mithilfe von drei Sprachen Austausch und Miteinander. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Teilnehmer aus Belgien, Luxemburg, Frankreich und Deutschland das ganz genauso sehen, obwohl für sie der gesamte (Jugend)Workshop ja zehn und nicht nur, wie für mich, zwei Tage dauerte …Nach all den Vorbereitungen vorm Bücherregal, im Internet, mit all den Recherchen zum 1. Weltkrieg und den Abbildern des Alltagslebens der Menschen in Büchern, Filmen und Bildern, schwirrte mir der Kopf ja bereits in Vorfeld vor Ideen und Gedanken, vor Fragen und natürlich auch meinen höchst eigenen Zweifeln: immerhin bin ich keine ausgewiesene Expertin für den ersten Weltkrieg und einen Schreibworkshop in Englisch abzuhalten, obwohl die Teilnehmer ihre Texte in ihren Muttersprachen Deutsch und Französisch schreiben würden, das war trotz umfangreicher Unterrichtserfahrung ein Novum für mich. Würde das gut gehen?

Es ging gut, auch oder gerade weil natürlich viele Dinge am Ende ganz anders liefen, als mein Plan vorsah. Anleitung zum Malen brauchte kaum einer – dafür hatte bereits Alan Johnston zu Anfang des Workshops gesorgt. Da reichten meinerseits locker Ölkreiden und Pastelle zum Ausprobieren.

Aber wer hätte gedacht, dass die Abiturienten, Studenten, Berufsanfänger aus den Regionen Saarland und Rheinland, der Wallonie, Lothringen und Luxemburg so wild auf Schreibübungen sind? Bei Schulworkshops ist das Interesse an solchen Aufgaben oft noch recht groß; in der Uni wird es meist nur von einer Minderheit (begeistert) angenommen. Dass ich mal auf eine Gruppe stoßen würde, die allein an einem Tag unbedingt 5 bzw. 6 (!!) Übungsaufgaben haben wollten, hätte ich nicht erwartet.

Gut, dass ich immer mit allem möglichen rechne, diverses Material für Plan B dabei habe und es mir darüber hinaus leicht fällt, spontan neue Ansätze für ganz konkrete Wünsche und individuelle Bedürfnisse zu finden.

Denn selbst, wenn zur Abwechslung mal Schreibübungsaufgaben gefragt sind (und das Vorlesen/Vorstellen der so entstandenen Texte gerade nicht ‚der Renner‘ ist – vielleicht auch wegen der Sprachenvielfalt?), darum geht es ja: rauszufinden, was die Anwesenden inspiriert. Und stets darauf gefasst zu sein, dass es beim nächsten Mal etwas ganz anderes sein kann.

Deshalb hätte ich keine Lust auf Schullehrpläne … wer zieht schon seiner Kreativität gern ein fremdes Korsett an ? Dann doch lieber ein spontaner Besuch auf einem denkmalgeschützten Friedhof. Schade nur, dass ich wohl noch eine ganze Weile warten muss, bis nach dem Ende des Workshops aus den Reisetagebüchern eine Art europäische Wanderausstellung wird.

So schön kann Europa sein, so kreativ Babel. Dafür nehme ich das Stimmengeschwirr im Kopf danach gerne in Kauf. 🙂

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