Verquast

Es beginnt sehr spannend – nach Jahrzehnten treffen drei Freunde, zwei Männer und eine Frau, wieder aufeinander. Und dann beerdigen sie den einen, während der andere sich erinnert. Carla Guelfenbein hätte mit Die Frau unseres Lebens eine Geschichte von Freundschaft und Verrat, von heroischen Idealen und deren Zusammenprall mit der Realität erzählen können. Leider hatte sie etwas anderes im Sinn.Oder sie wusste es nicht besser: Herausgekommen ist nichts als eine kitschige Liebesgeschichte, die sich um ihre Fast-Namensnichte Clara, künstlerisch-tänzerisch begabte Exilchilenin, dreht.

Wer hätte das gedacht – all die Gegensätze zwischen den einstigen besten Freunden, dem wohlerzogenen Briten Tony und dem genialisch-heroischen, aber leider so depressiven wie lebensuntauglichn Exilchilenen Antonio haben gar nichts mit verschiedenen Lebensentwürfen oder der Frage, ob manchmal Verrat das einzig richtige ist, zu tun. Es geht auch nicht darum, dass letzterer 15 Jahre wartet, um ersteren zum Zeugen seines als Unfall getarnten Selbstmordes zu machen – ein an sich schon eher schräger, nicht sehr glaubwürdiger Vorgang (zumal er ja noch einen betrunkenen Unfallverursacher im richtigen Moment braucht) – oder dass es, wenn man es mit etwas mehr Logik betrachtet, als die Autorin beim Schreiben aufwand, eigentlich um irgendwas anderes hätte gehen müssen. Nein, am Ende geht es bloß um das kleine Glück der großen Liebe.

Ach ja. Irgendwie wundert es mich nicht, dass das Ding ein Bestseller wurde …  und ich weiß wieder, warum ich sonst recht konsequent die Finger von solchen lasse.

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