Vergänglichkeit

Varieté ist keine Kunst für die Ewigkeit – ein schöner Abend, geteilt mit anderen, mit Blick auf eine Bühne, auf der im Idealfall eine staunenswerte Nummer die andere ablöst. Das ist wunderbar und zugleich ein Sinnbild für Vergänglichkeit: eben applaudierten alle der Jonglage, gerade noch lachte das Publikum über den Clown, hingen  alle Blicke an der Artistin hoch oben am Seil, eins folgt aufs andere und dann sand01ist es vorbei, die Zeit verflogen. Dass ich ausgerechnet im Weihnachtsvarieté über eine der ältesten Kunstformen stolpern würde, hat mich überrascht: Sandmalerei kannte ich bislang nur als Teil der Kultur und Spiritualität der Navajo. Was Ekaterina Dzyba mit Sand über einen Leuchttisch auf die Leinwand und von da direkt ins Herz ihrer Zuschauer malte, mochte profan sein, zauberhaft und wunderschön war es allemal. sand02

Wie so vieles andere an diesem Abend im Café Hahn in Koblenz – ein Abend, durch den Ben Smalls mit Mozart und viel britischem Humor führte, ein Abend, an dem vor allem russische und ukrainische Künstler zeigten, was alles in ihnen steckt. Das war auch so ein merkwürdiger Moment: als ganz am Ende nur durch die Nennung der Herkunftsländer deutlich wurde – hier ist Frieden. So richtig. Und eigentlich müsste er doch immer und überall zu haben sein. Nicht nur, wenn man das Glück hat, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu leben. Was ja reiner Zufall ist und keine Kunst, auch kein persönlicher Verdienst. Zumal – so viel länger als verrinnender Sand dauern unsere Leben gemessen am Universum auch wieder nicht. Nicht nur Abende im Varieté sind vergänglich … sand03

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2 Antworten zu Vergänglichkeit

  1. bensmalls schreibt:

    Danke für dein schönes Bericht über den Abend. Die Gedanken zu Frieden gingen mir in den 6 Wochen auch oft durch den Kopf.
    Viele Grüße,
    Ben Smalls

  2. mischabach schreibt:

    Lieber Ben Smalls, freut mich sehr, dass Dir mein Bericht gefallen hat – erst recht, nachdem mir der von Dir getragene Abend in Koblenz so viel Freude gemacht hat! Und zu „Friedensgedanken“ inspiriert zu werden, das hat doch auch was. Herzliche Grüße, Mischa

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