Wenig erhellend

Alles ist erleuchtet von Jonathan Safran Foer war 2003 ein hochgelobter Debütroman über die Suche eines jungen amerikanischen Autor nach seinen jüdischen Wurzeln in der Ukraine. 2005 wurde das Buch verfilmt – und auch als Film mit Lob überschüttet. Ist all der Erfolg der Grund, warum der Stoff gestern in der Essener Casa Theaterpermiere feierte? 7883_9498_Allesisterleuchtet_Hupfeld_Birgit_1243a Voller Spielfreude: Nico Link als Alex (Foto: Birgit Hupfeld)

Genau das befürchte ich ja bei den meisten Romanadaptionen für die Bühne – und nur allzu selten gelingt das, meist bleibt das Ergebnis unbefriedigend, oftmals schlicht nicht dramatisch genug. Das ist aber in meinen Augen nicht das Problem der Bühnenfassung von Regisseur Thomas Ladwig und der Dramaturgin Jana Zipse. Diese besticht zunächst einmal durch die Kunst-Sprache von Fremdenführer und autodidaktischem Dolmetscher Sascha (wunderbar gespielt und vielleicht sogar noch besser gesprochen von Nico Link). Er stolpert so treffend wie poetisch durch die Fremdsprache seines Gastes Jonthan Safran Foer (ebenfalls beachtlich: Jan Pröhl), und gibt dem Deutschen so ganz neue Sprachbilder und Bedeutungsnuancen.

Schwierig bzw. vor allem langwierig wird die Angelegenheit dadurch, dass das Dolmetschen zur Verdopplung weiter Teile der Texte in der Haupthandlung führt. Was anfänglich noch Charme hat und komisches Potenzial besitzt, wird im Verlauf des Stücks jedoch immer mehr zur Bremse. Vor allem, weil die Momente, in denen Sascha etwa antisemitische und fremdenfeindliche Sprüche seines Großvaters (Rezo Tschchickwischwili) lieber anders übersetzt und so einen doppelten Boden schafft, allzu selten sind.

Zu viel dagegen gibt’s für meinen Geschmack am Anfang an klamaukigem Humor – was nicht durch das Übermaß von Betroffenheit bei der Schilderung von Naziverbrechen und Überlebendenschuldgefühlen am Ende des Stücks ausbalanciert wird.

Gänzlich unverständlich bleibt für mich jedoch, wie man eine in der Ukraine angesiedelte Geschichte, in der es um Antisemitismus, Rassismus und auch Kriegesverbrechen geht, heute auf die Bühne bringen kann, ohne in der einen oder anderen Weise Bezug zu nehmen zum aktuellen, blutigen Konflikt in diesem Land. Ein Nebensätzchen dazu reicht da nicht aus, zumal den Aspekt kaum ein Zuschauer nicht mit im Kopf haben wird.

Und da schließt sich für mich der Kreis und ich bin wieder bei der unbeantworteten Frage nach dem „Warum“ dieser Bühnenadaption.

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