Montagsschnipseleien

Montag vor einer Woche. Ein ganz normaler Morgen. Der Kaffee ist fertig, das Müsli fast, jetzt muss nur noch das Obst für den Saft zubereitet werden. Zur Zeit liebe ich die Kombination Apfel-Möhre-Zitrone. Aber nicht mit ausgepresster Zitrone, sondern einer halben frisch geschälten. Nur so riechen sie für mich nach Italien und Kindheitsurlauben – und wofür hat man schließlich einen Entsafter. Ich stehe also so da, an der Spüle, das Messer in der einen, die Zitrone in der anderen Hand. Ein, zwei Schnitze von der Haut habe ich bereits entfernt, als es plötzlich schwierig wird. Und ehe ich mich versehe —fährt das Messer in die Rückseite meines Daumens statt in die Zitrusfrucht!

Tut gar nicht weh, denke ich verwundert. Oh, dann hat mein Herzallerliebster wohl gestern Abend auch dieses Messer geschärft. Und dann sehe ich, wie groß der Schnitt ist, und weiß, das hier wird kein Montagmorgen der üblichen Art.

Gemeinsam mit dem durch meinen Ruf – „ich brauch dich mal, ich hab mich echt schlimm geschnitten“ – aufgeschreckten Liebsten gelingt es, zwei Kompressen auf den Daumen zu packen. Aber es ist absehbar, das wird nicht halten.

Ich ziehe mich also einhändig an, er eilt zum Rechner um herauszufinden, wohin ein Notfall wie ich wohl im Uniklinikum, dem uns nächstgelgenen Krankenkenhaus, gehen müsste. Leider Fehlanzeige. Man kann die Namen der Stationsärzte und -schwestern rausfinden, aber so eine simple wie wichtige Info sucht man da vergebens.

Gut, dass ich in fünf Minuten zu Fuß beim Haupteingang bin. Schlecht, dass die junge Frau an der Information dort ganz offensichtlich mit der Frage eines älteren Herrn so überfordert ist, dass sie aus lauter Verzweiflung in Broschüren nachliest. Noch schlechter, dass mein Verband sich rot zu verfärben beginnt.

Eine Frau kommt mit Krankenakten eine Treppe hinunter.

„Hallo, ich fürchte, ich tropfe hier gleich den Boden voll“, begrüße ich sie.

„Oh“, sagt sie, „da müssen Sie in die chirurgische Notfallambulanz, aber die ist in der Unfallchirurgie am anderen Ende …“

„Im Operativen Zentrum II“, frage ich, schon halb auf dem Weg zur Tür, denn das kenne ich, da ich über dessen Eröffnung für die Zeitung schrieb und mich schon damals fragte, wieso die Unfallchirurgie hier nicht Unfallchirurgie heißt.

„Ja – viel Glück!“, ruft die Frau mir hinterher.

Ich eile. Ich fliege schier. Ich erreiche das OZ II. Dort schickt mich der Pförnter gleich beim Eintreten weiter – zwei Treppen runter, dann rechts, dann links den Gang hinunter. Entfernter vom Haupteingang geht nicht.

Immerhin, hier bin ich richtig. Und weil auch hier niemand an vollgetropften Fußböden interessiert ist, lande ich bald in einem Behandlungsraum. Wo ich nach weiterer Wartezeit – die ich mit Auszubildenden plaudernd gut verbrachte – schließlich örtlich betäubt und dann mit 4 bis 5 Stichen genäht werde.

Schade nur, dass niemand meinen wachsenden Blutfleck zu einem Rohrschach-Test verwenden wollte. Und dass ich mich nicht traute, jemand zu bitten, die rostroten Muster auf meiner Hand zu fotografieren … 😉

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