Worthülsenfrüchte

Unglaublich klarer Trompetenklang, immer wieder schönes Licht und zwischen gigantischen Längen auch der eine oder andere gelingende Moment, gar eine Szene, die nicht bloß im Blabla verpufft – das ist für den Versuch, Richard Wagners und Tankred Dorsts Parsifal/Parzival-Versionen in drei Stunden irgendwie zusammenzubringen, doch ein arg dünnes Ergebnis. Mehr kam aber leider in der gestrigen Premiere von Gustav Ruebs Inszenierung im Essener Grillo-Theater nicht heraus.

Philipp Noack, John-Dennis Renken, Laura Kiehne in der Inszenierung

Sieht cool aus, klang auch großartig, sagt aber nicht wirklich was – ein schöner Moment mit Philipp Noack, John-Dennis Renken, Laura Kiehne in der Inszenierung „Parsifal“ nach Richard Wagner und ‚Parzival‘ von Tankred Dorst; Regie: Gustav Rueb (Foto: Diana Küster)

Operntexte werden nicht wirklich besser, wenn Schauspieler sie nicht nur sprechen, sondern mit vollem Körpereinsatz spielen; tatsächlich unterstreicht das nur die Defizite dieser Textgattung. Kein Wunder, diese Texte sind ja gar nicht dazu gedacht, wortwörtlich verstanden zu werden, sondern sollen die Basis von Gesang werden … gesprochen denkt man nur immer wieder, wie schön es wäre, wenn jemand zur Abwechslung mal wieder einen ganzen Satz sprechen dürfte.

Doch dann hätte man sich womöglich die Frage stellen müssen, was hier denn bitte sehr für wen erzählt werden soll. Ich z.B. kenne zwar die Parsival-Legende, aber weder Dorsts Stück und noch Wagners Oper — und fragte mich in den diversen Längen dann immer wieder, hätte ich mehr von dieser Inszenierung, wenn es anders wäre? Nur: Welcher Opern-Kenner würde es ertragen, wenn Schauspieler Wagner zu singen versuchen – das waren ja schon für mich Fremdschämmomente! Und vor allem: Wie würden Wagnerfans reagieren, wenn im zweiten Teil dann die Schauspieler die Wagneroperntexte zeitversetzt zu Toneinspielungen mit dem entsprechenden (professionellen!) Gesang sprech-spielen?

Gut, das mit der Gralssuche ist ja auch an sich so eine Sache. Ein Mysterium in sich – oder einfach eine heilige Hülle, gar eine Worthülse? Das mag wiederum zu verschwurbelt-unlogischen Opernlibretti passen. Aber was soll all das leere Gedöhns auf einer Sprechtheaterbühne?

Ich war befremdet. Und über weite Strecken gelangweilt. Denn die Freude über John-Dennis Renkens Trompete und Laura Kiehnes Gesang (die nebenbei noch bravourös alle Frauenrollen meisterte) trägt selbst bei Florian Barths gelungener, spannender Bühne nicht über drei schier endlose Stunden.

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