Tanz im Bad

Nein, das ist keine Variante zum Singen unter der Dusche, das ist eine Kurzform, auf die sich der gestrige, vierte und letzte Tag von 638 Kilo Tanz und weitere Delikatessen bringen ließe. Die Abschlussveranstaltung bestand in einem Tanzparcours im herbstlich-kühlen Grugabad und dabei gab es das eine oder andere erfreuliche Wiedersehen …

Schon das erste Stück war eine Art Wiederbegegnung, denn Choreograph und Tänzer Kenji Shinohe hatte ich tags zuvor bereits im Museum Folkwang gesehen. Sein Stück The Peels war jedoch neu für mich. Dass er das Schälen wörtlich meinen würde, also in der Kälte u.a. Schal und Mantel ablegen würde, war durchaus überraschend. Allerdings muss ich gestehen, dass ich den Zusammenhang zwischen seiner tänzerisch gekonnten Darbeitung und dem Thema Identität ohne Hilfe des Programmheftes nicht gesehen hätte.

Die nächste Station im Tanzparcours führte erneut zu Jan Möllmer und Iker Arrue, die eine Art Kurzversion von One Final Evolutionary Note zeigten, das am Samstag den Auftakt im Folkwang Museum gebildet hatte. Auch vom oberen Ende einer Treppe hinunter gesehen hat das Stück seinen Reiz, und das Können der beiden Tänzer steht außer jeder Frage. Noch schöner, wirkungsvoller empfand ich es allerdings dank der Nähe, dank des Tanzes im und mit dem Publikum am Tag zuvor – was nur heißt – genauso würde ich es auch ein drittes Mal erleben wollen. 🙂

Unter der Tribüne war dann im Viereck, sprich: Paul Hess zeigte noch einmal Totilas, mit dem er vor zwei Jahren in der Casa glänzte. Nach wie vor liebe ich es, wie er uns allen den Spiegel vorhält: Lachen wir über einen Mann, der elegant die Dressurprüfung eines Pferdes nachahmt – oder über uns, die wir so kunstvoll-künstliche Darbietungen, sei es Ballett oder Dressurreiten goutieren? Der überarbeitete Schluss trifft, spitzt die Sache noch weiter zu – dann kann ich nur sagen „Chapeau“ und ziehe virtuell meinen Zylinder …

Wenig anfangen konnte ich jedoch mit Rossella Canciellos The Sky Is Not The Limit. Im ersten Moment wirkte es noch spannend, weil ihre Spiegelung im Becken zu kraulen schien während sie auf der Tribüne tanzte. Doch leider wurde das Element nicht weiter verfolgt, und über ein Schwimmbecken hinweg im kalten Dunkel in der Ferne einer Frau auf einer Tribüne zuzuschauen – nun das trug für mich nicht. Die Distanz war zu groß, ohne Feldstecher keine Details auszumachen, und der übergroße (Fast)Vollmond stand leider auf der falschen Seite des Himmels.

Was danach geschah, ob es noch eine oder zwei weitere Darbietungen gab, wie Suppe und Punsch schmeckten, weiß ich leider nicht – ich musste los. Doch auch wenn ich diesmal nicht alles vom Festival sehen konnte, es war den Besuch und auch das Frieren im Bad sicher wert! 🙂

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