Verplaudert

Jazz und Swing überwiegend aus den 1920ern und 30ern würden Let’s misbehave!, das Konzert von Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys im Essener Grillo-Theater bestimmen, hieß es. Das lässt an Cole Porter, Irving Berlin, George Gershwin & Co. denken. Die gab es (u.a.) tatsächlich. Allerdings war das beileibe nicht alles, drumherum gab’s jede Menge Showeinlagen und vor allem Anekdoten, Anekdoten, Anekdoten.

Es muss ja nichts Schlechtes sein, wenn bei einem Konzert zwischen den Songs über die Songs, gern auch über deren Geschichte oder wie sie Eingang in eben dieses Repertoire fanden, geplaudert wird, ganz im Gegenteil. Und dass es rein gar nicht stört, wenn nicht einfach nur Song um Song gespielt, sondern dabei ein roter Faden, ein Motiv oder auch so etwas wie die eine oder andere Rolle durchgezogen wird, bewiesen etwa die Finnen 2014 zum Jahresausklang und zeigt Erika Stucky immer wieder.

Aber sich endlos zu verplaudern, wie es bei Ulrich Tukur geradezu die Regel war, das hätte es nicht gebraucht; da wäre weniger allemal mehr gewesen. Dann wäre auch mehr Zeit für wunderbare Interpretationen wie die von „In the Mood“ oder auch „Happy Feet“ geblieben. Die schrillen Choreografien mit Ulrich Mayer (Gitarre, Gesang), Günter Märtens (Kontrabass, Gesang) und Kalle Mews (Schlagzeug, Gesang) hätten allemal für Abwechslung und Lacher satt gesorgt.

Klar, der größte Teil des Publikums kam, um Ulrich Tukur zu erleben, den bekannten Schauspieler, der auch am Klavier, am Akkordeon und mit seiner Gesangsstimme, die automatisch an Schellack (minus die fiesen Kratzer in der Platte, natürlich ;-)) denken ließ, eine gute Figur macht. Dem Beifall nach zu urteilen, waren die Menschen im randvollen Saal mehr als zufrieden mit dem, was sie geboten bekamen (trotz überteuerter Karten, wie Tukur selbst in seiner englisch-vernuschelten Einführung süffisant einstreute).

Mir jedoch schien sein Hang, sich im Anekdotischen zu verlieren, typisch für seine Profession – dass ein Schauspieler, der einen fremden Text zum Niederknien interpretieren kann (für diesen Abend sei Erich Kästners „Sachliche Romanze“ das Beispiel dafür – Lyrikaufnahmen von Tukur würde ich ohne Zögern kaufen, und ich wüsste sofort, wen ich damit glücklich machen würde :-)), sich mit frei gesprochenen Texten und Moderationen alles andere als einen Gefallen tut, erlebte ich am Samstagabend nicht zum ersten Mal. Vermutlich ist das einfach das Gegenstück zu Autoren, die ja auch nicht zwangsläufig die erste Wahl sind, wenn es um Hörbücher, eben ums Vorlesen ihrer Texte geht …

Falls ich also drei Wünsche frei hätte fürs nächste Rhythmus-Boys-Konzert: Mehr Musik, gern auch mehr Tanz & Show, dafür statt all dem Gerede lieber Gedichte, Gedichte, Gedichte 🙂

 

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