Bach über Bach

Auf Dauer kann man nicht Bach heißen, aber ein so berühmtes Werk wie Johann Sebastian Bachs „Johannespassion“ nicht kennen, finde ich. Welch Glücksfall für mich, dass Cappella Amsterdam mit Dirigent Daniel Reuss kürzlich mit diesem Werk in der Philharmonie Essen gastierte.

Zugegeben: wenn ich an Bach und Bibel denke, dann denke ich an Kirchenräume erfüllt von Orgelmusik, die so groß und erhaben ist, dass man sich als Zuhörer klein und unbedeutend wie eine Kirchenmaus fühlt. Insofern bestand meine erste Überraschung bei der Johannespassion darin, dass diese mit den alten Instrumenten des Orchesters des Achtzehnten Jahrhunderts, der kleinen Orgel und dem gerade mal 24 Personen umfassenden Chor eher zart wie z.B. eine Goldberg Variation oder differenziert wie die Brandenburgischen Konzerte daherkommt.

Wie warm z.B. Querflöten (Kate Clark, Ricardo Kanji) klingen können, wenn sie aus Holz sind, war mir gar nicht klar gewesen. Und dass die Gambe (Rainer Zipperling), so zart sie auch aussehen mag, dennoch gut zu hören ist (selbst in Reihe 16), trotz Chor und den anderen Instrumenten, das hätte ich nicht gedacht.

Bei den Solisten beeindruckten mich vor allem die Bässe – Benoit Arnould (Christus) und André Morsch (Arien) sowie Thomas Walker, der als Tenor den Evangelisten sang. Besonders berührend jedoch war Carolyn Sampsons Sopran, und das, obwohl mir diese Stimmlage in der Oper wahrlich nicht immer liegt.

Das Schönste jedoch an dieser Passion ist der Chor – Stimmen, die Raum schaffen, Stimmen, die auf großen Schwingen diesen durchqueren, Stimmen, die ein Meer von Farbe werden (und ich vermute, man muss nicht mal synästhesiebegabt sein, um das so zu sehen oder wenigstens zu fühlen), das trägt durch den Abend und darüber hinaus.

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