Bienenfleißig

Dass der Sommer sich verabschiedet, gehört zum Lauf der Dinge dazu. Dass jedoch die Bienen und mit ihnen die anderen blütenbestäubenden Insekten aussterben, ist alles andere als natürlich. Und selbst, wenn die Ursachen dafür in der Realität noch nicht 100%ig geklärt sind (mal ganz abgesehen davon, dass Insektengifte auf Insekten nicht gerade positiv wirken …), die Norwegerin Maja Lunde hat mit ihrem „The History of Bees“ daraus Unterhaltungsliteratur mit Aufklärungsanspruch gemacht.

Einerseits bewundere ich sie, nein, nicht wegen ihres Bestsellerstatus, sondern vor allem wegen all der Arbeit, die in dem Buch stecken muss: da sind die historischne Recherchen für den Erzählstrang, der im England des 18. Jahrhunderts spielt und wo es um die Entwicklung des modernen Bienenstocks geht und sicher nicht minder aufwändig die naturwissenschaftlichen solchen zum Bienenvölkersterben unseres Jahrhunderts und des ebendort beheimateten Erzählstrangs. Dazu dann noch die Erschaffung einer neue, insekten- und bienenfreie Welt in der Zukunft, all das kostet eine Menge Arbeit, ganz gewiss. Andererseits tragen diese drei Stränge und ihre jeweiligen Hauptfiguren für mich jedoch die Geschichte/n nicht wirklich über mehrere hundert Seiten.

William etwa ist geradezu besessen von seinem eigenen Versagen, weil er Familie über Wissenschaft stellte, und steigert sich in alles ohne Sinn und Verstand rein: erst verlässt er monatelang das Schlafzimmer nicht mehr, lässt Geschäft und Familie beinahe vor die Hunde gehen; dann nach einem einzigen Besuch seines phlegmatischen Stammhalters will er ausgerechnet diesen stolz machen und stürzt sich in die Arbeit am Bienenkorb. Nur um in dem Moment, als klar wird, ein anderer hat ihn beim Patentamt „überholt“, wieder ins Nichtstun zu flüchte. Was soll denn das? Nur, weil etwas im 18. Jahrhundert angesiedelt ist, müssen sich doch nicht alle aufführen wie die Karrikaturen hochemotionaler Jane-Austen-Figuren!

Imker George dagegen will, dass sein Sohn vom College nach Hause kommt, um in den elterlichen Betrieb einzusteigen, während seine Frau davon träumt, den Lebensabend in Florida zu verbringen. Und dann beginnt 2007 das Bienenvölkersterben, was letztlich nach langem Hin und Her zumindest eine gewisse Vater-Sohn-Annäherung ergibt.

Auch bei Tao, der chinesischen Blütenbestäuberin in der düsteren Zukunftsvision, dreht sich alles um ihren Sohn und um die Bienen. Was allerdings erst so richtig nach sehr langen, überlangen Suchbewegungen klar wird, obwohl der Leser schon längst ahnte, die mysteriöse Krankheit des Kleinkindes, das die Behörden fortbringen, das kann eigentlich nur ein anaphylaktischer Schock dank Bienenstich sein – die scheinbare unmögliche Kombination aus tödlichem, indivivuellem Pech und menschheitsweitem Glück oder doch wenigstens Hoffnungsschimmer, denn das heißt doch, die Insekten kehren zurück.

Tja. Die ersten Hundert Seiten oder so mag man das Buch nicht aus der Hand legen. Danach ist es wie bei den Bienen: der wunderbare Rohstoff Honig wird mehr und mehr durch Zuckerwasser ersetzt … schade eigentlich. Da hätte mehr drin sein können.

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