Traurigschön

Schon lange wollte ich mal wieder etwas von Erika Pluhar lesen, nun habe ich es endlich getan: „Reich der Verluste“ ist ein wunderschön, wenngleich oftmals trauriger Briefroman aus dem Jahr 2005.

Ein Buch (nicht nur) für die Sommerferien: Erika Pluhars „Reich der Verluste“

Am Anfang steht dabei eine Postkarte, denn Magda, die auf unbestimmte Zeit auf eine griechische Insel gereist ist, hat plötzlich Sorge, das Fenster der Speisekammer vor der Abreise nicht geschlossen zu haben. Sie sendet also Nachricht an ihre Bedienerin, die Hausmeistersgattin Maria, die antwortet – und dann werden aus Postkarten immer längere, immer intimere Briefe, die per Fax hin und her fliegen. Eine besondere Frauenfreundschaft entsteht, an und in der beide wachsen. Eine Art Entdeckungsreise in zwei Lebensgeschichten, so könnte man es vielleicht auch nennen.

Traurig-schön ist das, weil Magda vor ihrem eigenen Leben und ihrer eigenen Traurigkeit (oder ist es die Leere einer Depression, die sie mit Tabletten betäubte?) auf die Insel floh, wo sie nun sich in den Briefen wiederfindet.

Allerdings merke ich, es ist gar nicht leicht, über das Buch zu schreiben, das stilistisch nicht besonders auffällig ist, was aber natürlich ins Fach des Briefromans, der naturgemäß aufs engste an die Figuren gebunden erzählt, passt. Magda ist eine gebildete, belesene ältere Dame, und so schreibt sie auch. Maria dagegen ist um einiges jünger und begegnet der Bildung und dem Lesen erst durch den Briefwechsel. So trifft die Lebensbeichte der Älteren auf den Bildungsroman der Jüngeren – und doch scheint es letztlich Magda, die noch viel mehr von Maria lernt als umgekehrt. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung des Erzähl- und Schreibstils wieder: Marias Sprache wird komplexer, differenzierter, Magdas lebendiger, so könnte man es wohl nennen.

Auf eine Art, die ich schwer greifen kann, ist es für mich ein altmodisches Buch – und das nicht etwa, weil sich die beiden Briefschreiberinnen darinnen immer mal wieder darüber belustigen, wie aus der Zeit gefallen es ist, dass sie per Fax miteinander kommunizieren. Und auch nicht, weil die beiden Frauen darin aus kleinen, engen Verhältnissen kommen, die auf den ersten Blick unzeitgemäß wirken und mich mehrfach ins Impressum schauen ließen, um das Datum der Erstveröffentlichung zu prüfen. Aber was immer es war, es tat meinem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Wer also gerade ein Sommerbuch für die Ferien sucht und dabei nichts gegen ein gewisses Maß an Melancholie und tragischen Tönen hat, für den ist Pluhars „Reich der Verluste“ sicher ein guter Begleiter auf die Insel, in die Sommerfrische, ins Freibad oder wohin auch immer die Reise gehen mag.

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