… und dann war da noch:

Der Abend des 29.12.19. Die letzte Veranstaltung der Reihe „Jazz in Essen“ , wo Literatur auf Jazz trifft. Und während das im letzten Jahr erstmals ein Flopp für mich war, kann ich diesmal jeden nur bedauern, der das verpasst hat: wie sich Birgit Minichmayr mit Leib und Seele in Dorothy Parkers genial-sarkastische, haarscharf beobachtete und messerscharf geschriebene „New Yorker Geschichten“ stürzte und das von Chris Hopkins und Bernd Lhotzky an den Flügeln begleitet wurde.

Minichmayrs Part dabei  als den einer Sprecherin zu bezeichnen, wie es das Programmheft tat, wird der Sache nicht im mindesten gerecht. Sie verkörperte die Figuren buchstäblich mit Haut und Haaren und obendrein schier unglaublicher Leidenschaft. Das war mitreißend, ein wahre Achterbahnfahrt fürs Publikum.

Die Klavierstücke lieferten dazu den perfekten Rahmen – einmal, weil man bei Dorothy Parker automatisch „Jazz Age“ und „Party Animal“ denkt, das Piano, und sei es das an der Bar, also ohnehin gesetzt ist. Und dann, weil die Kühle und das vornehm Zurückgenommene der meisten vorgetragenen Jazzstücke einen wunderbaren Kontrast zur Emotionalität der Texte und vor allem ihrer Darstellung durch Birgit Minichmayr bildeten. Jazz und Literatur bzw. Darstellende Kunst, das war hier keine zufällige Begegnung, kein bloßes Nebeneinander, das gehörte zwingend genauso zusammen: allein, ohne die Leidenschaft Minichmayrs, wäre die Musik auf Dauer vielleicht zu glatt und ein wenig langweilig geworden. Und umgekehrt wäre das rasante Doppel von Parker & Minichmayr, dieses atemberaubende Spiel auf der Klaviatur der Emotionen, ohne diesen Gegenpart eine Überforderung, nicht auszuhalten gewesen.

Aber das ist dann ja am Ende die Definition von gelungener Kunst: dass man nichts wegnehmen und nichts hinzufügen kann, ohne dass das Gesamtwerk dabei Schaden nimmt. 🙂

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